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Conversion Optimierung, User Experience

Was Sie von Türdesign über Usability lernen können

by Sonia Hofmann
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Lassen Sie uns kurz über Türen und Usability sprechen. Man kann Türen unkompliziert benutzen, oder? Entweder drückt, zieht oder schiebt man sie. Im Wesentlich stellen Türen ein Mittel zum Zweck dar, um uns von einem Raum in einen anderen zu bringen.

Womöglich haben Sie noch nie bewusst über Türen nachgedacht. Wahrscheinlich wundern Sie sich sogar, warum ich überhaupt mit diesem Thema anfange. Aber haben Sie noch einen Moment Geduld.

Seien wir mal ehrlich: Manche Türen sind verwirrend. Manchmal sieht eine Tür so aus, als müsse man sie drücken, obwohl man sie am Ende ziehen muss. Oder das Türdesign unterscheidet sich von allen anderen Türen in der Umgebung, sodass man irritiert ist und zunächst nicht weiß, wie man sie zu öffnen hat.

Obwohl Türen Ihnen als abstraktes oder irrelevantes Thema erscheinen mögen, sind sie der Auseinandersetzung mit einer guten User Experience auf Ihrer Webseite nicht fern.

Donald Norman, eine der einflussreichsten Personen im Bereich Usability, ein Befürworter benutzerorientiertem Designs und der Mann, der den Begriff User Experience bekannt gemacht hat, widmete einen großen Anteil seines Buches „The Design of Everyday Things“ einem ganz bestimmten Thema. Sie ahnen es schon. Richtig: Türen.

Schlecht designte Türen, schlechte User Experience

In seinem Buch erklärt Norman wie eine schlecht designte Tür (eine sogenannte „Norman-Tür“) dem Benutzer irreführende Bedienungssignale sendet, so sehr sogar, dass eine Beschilderung benötigt wird, um darzustellen, wie die Tür zu öffnen ist. Ohne die Beschilderung, kann der Benutzer nur vermuten, ob die Tür gedrückt, gezogen oder aufgeschoben werden muss.

„Es gibt ein paar wirklich simple Designprinzipien“, betont Norman in einem seiner bekanntesten Videos der Mediengruppe Vox mit dem Titel „It’s not you. Bad doors are everywhere“ (dt.: „Es liegt nicht an dir. Schlechte Türen gibt es überall“). „Eine dieser Prinzipien ist die ‚Auffindbarkeit‘. Das bedeutet, wenn ich etwas ansehe, sollte ich in der Lage sein herauszufinden, welche Aktion sich damit durchführen lässt.“ Dementsprechend wird bei einer gut designten Tür allein durch das Anschauen deutlich, wie sich diese öffnen lässt.

Türen und Usability

Dieses Prinzip lässt sich auf so viele Dinge übertragen. Verlassen wir einmal die reale Welt und tauchen in das digitale Web ein: Eine gute Usability auf Ihrer Webseite ist vergleichsweise genauso wichtig, wie sie es für das Türendesign sind.

Was bedeutet Usability?

Laut des Usability Experten Jakob Nielsen, ist „Usability ein Qualitätsmerkmal, das bestimmt, wie einfach sich ein User-Interface nutzen lässt. Das Wort „Usability“ (oder die Benutzerfreundlichkeit) kann auch als eine leichte Bedienbarkeit durch das Design verstanden werden“.

Die bewusste Auseinandersetzung mit der Web Usability ist zu einer der beliebtesten Disziplinen der letzten Jahre geworden, da viele Unternehmen und Marken beginnen, die Bedeutung einer gut funktionierenden und benutzerfreundlichen Webseite zu verstehen.

Usability und Web-Design

Der Erfolg einer guten Webseite liegt in einer klaren und ansprechenden User Experience, sodass sich neue und wiederkehrende Besucher direkt zurechtfinden. Eine effektive Webseite hat einen eindeutig definierten Nutzerpfad, der Besucher durch Ihre Seite gezielt zu einem gewünschten Ergebnis führt (z. B. eine Bestellung oder Registrierung).

Genauso wie bei Türen, sind gut designte Webseiten jene Seiten, auf denen der Nutzer sich auf den ersten Blick sofort zurechtfindet.

In seinem Buch „The Design of Everyday Things“ verdeutlicht Norman, wie wichtig ein gutes Verständnis der menschlichen Psyche ist. Im digitalen Rahmen gesprochen bedeutet das, dass ein gutes Verständnis des Benutzerverhaltens beim Designen eines Produkts (oder in unserem Fall einer Webseite) unerlässlich ist, um eine benutzerfreundliche Gestaltung und so eine gute User Experience zu schaffen.

„Design-Technologie, die auf menschlichen Bedürfnissen und Fähigkeiten aufbaut, wird von der Psyche der Menschen bestimmt. Technologie mag sich ändern, aber Menschen werden immer gleich bleiben.“

Sie denken, Ihre Webseite habe eine gute UX, aber wissen Sie es auch mit Sicherheit?

Der erste Schritt einer benutzerfreundlichen (oder auch menschenzentrierten, wie Norman es nennt) Webseite ist zwar ein gutes Verständnis des Besucherverhaltens, aber es reicht nicht aus, nur zu vermuten, dass sich Ihre Nutzer gut zurecht finden. Sie müssen es garantieren können. Der einzige Weg, um sicher zu sein, ist das Testen.

Der Markt bietet viele Lösungen, die Ihnen ermöglichen, die UX Ihrer Webseite zu testen, zu beobachten und zu prüfen, wie Nutzer sich auf Ihrer Webseite verhalten. In diesem Artikel werde ich Ihnen zwei dieser Lösungen vorstellen.

Die erste Lösung nennt sich Session Recording. Damit können Sie Ihre Webseite mit den Augen Ihrer Besucher sehen. Hierbei werden einzelne Sitzungen Ihrer Nutzer aufgezeichnet und anhand der Mausbewegungen und Klicks kann dann festgestellt werden, wie diese mit Ihrer Webseite interagieren.

Sobald genügend Aufzeichnungsmaterial gesammelt wurde, können Sie mithilfe einzelner Filter, z.B. nach Standort, Gerät oder demografischen Daten sortieren. Im Gegensatz zu individuellen Usability-Tests, ist der Vorteil beim Session Recording, dass Nutzer nicht wissen, dass Ihre Interaktion mit der Webseite (anonymisiert!) aufgezeichnet werden und sich ganz natürlich bewegen. Laut Studien verhalten sich Menschen anders, wenn sie wissen, dass sie beobachtet werden. Das ist hier ausgeschlossen.

Die zweite nützliche Lösung, die zum Testen und Optimieren Ihrer UX eingesetzt werden kann, nennt sich Heatmaps. Diese dienen der Visualisierung gesammelter Daten auf Ihrer Webseite. Die Darstellung der Daten ähnelt der Darstellung von Temperaturunterschieden. Je mehr Interaktion in einem bestimmten Bereich stattfindet, umso „heißer“ bzw. röter wird dieser Bereich in der Heatmap. So kann nachvollzogen werden, mit welchen Bereichen Ihrer Webseite sich Nutzer am meisten beschäftigen und welche Teile sie übersehen.

Hier sehen Sie einen Ausschnitt der AB Tasty Heatmap, die für die Webseite der E-Commerce Marke MODZ verwendet wurde:

Verbesserte Usability durch Heatmaps

Durch die Visualisierung von Klicks in einer Heatmap, können die am meisten angeklickten Elemente nachvollzogen werden. Schwachstellen in der UX, wie potenzielle Hindernisse in Ihrem Nutzerpfad, können Sie hier sofort identifizieren.

Session Recording und Heatmaps geben Ihnen detaillierte Einblicke in das Besucherverhalten auf Ihrer Seite und dementsprechend ein besseres Verständnis, ob das Design Ihrer Seite effektiv und benutzerfreundlich ist.

Fazit: Machen Sie Ihre Webseite zu keiner Norman-Tür

Stellen Sie sich Ihre Webseite wie eine Tür vor: Wenn der Nutzer beim Ansehen nicht sofort weiß, was zu tun ist, ist Ihre UX nicht gut. Die Verwendung von speziellen Features, wie das Session Recording oder Heatmaps, hilft Ihnen herauszufinden, ob Ihre Besucher effektiv durch die Webseite geführt werden. Das Prinzip der „Auffindbarkeit“ des Produktdesigns gilt auch für das Web.

Also, lassen Sie Ihre Webseite nicht eine dieser Türen sein, die man drückt, obwohl man sie ziehen muss.